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Schwimmbad geschlossen! Verein in Gefahr

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Seit Jahren sehen wir den unheilvollen Trend von anhaltenden Bäderschließungen in Deutschland. Weniger Wasserflächen stellen in der Folge auch viele Vereine vor große Probleme: Mitgliederschwund, weniger Ausbildungszeiten, längere Wartezeiten für Schwimmkurse und mehr...

In unserem Topthema berichten wir von einer DLRG Gliederung, die es trotz dieser Probleme geschafft hat, ihr Überleben zu sichern und beleuchten das Thema Bäderschließung einmal genauer.

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Topthema

+++ Neukirchner Bad schließt für immer +++ Das Freibad in Heeslingen bleibt auf Dauer geschlossen +++ Keine weitere Saison für das Hallenbad in Bad Vilbel +++ Freibad Ueffeln: Sanieren oder Schließen +++

Meldungen wie diese aus 2018 sind trauriger Alltag – nicht erst seit dem vergangenen Jahr. Schwimmbäder schließen, meist weil die Kosten für die Sanierung zu hoch sind. Nicht immer bedeutet das einen Abschied für immer. Bäder werden auch in Schuss gebracht und wiedereröffnet. Oder das alte Hallenbad weicht einem Neubau. In beiden Fällen vergeht jedoch Zeit. Zeit, die Vereine überbrücken müssen. Ausbildungs- und Trainingszeiten in anderen Bädern müssen organisiert und die Mitglieder bei der Stange gehalten werden. Denn ist das eigene Bad erst einmal dicht, beginnt auch der Kampf gegen den Mitgliederschwund.

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Symbolbild: Geschlossenes Hallenbad
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Rüsselsheim am Main, 2013. Im Jahr des 100. Geburtstags der DLRG bereiten sich die Wasserretter des Bezirks auf die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen ihres Vereins vor. Mitten in den Vorbereitungen kommt im Frühjahr die Hiobsbotschaft: Das Schwimmbad »An der Lache« muss geschlossen werden, zunächst wegen eines Defekts an der Lüftungsanlage. Doch schnell wird klar, dass das Schwimmbad für längere Zeit nicht wieder eröffnen wird. »Die Nachricht ereilte uns kurz vor der Jahreshauptversammlung. Anfangs war für uns noch nicht klar, ob das eine Schließung für immer sein wird«, erinnert sich die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Bezirk, Ilka Jakobs.
Auf der Mitgliederversammlung Mitte März kann Oberbürgermeister Patrick Burghardt keine Zukunftsperspektive geben, das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft. Die Technische Leiterin Ausbildung, Sabine Hedel, stellt die Zahlen aus Ausbildung und Einsatz des Vorjahres vor und mahnt: »Lasst uns nicht zu lange auf dem Trockenen sitzen!«
Die Rüsselsheimer DLRGler organisieren Ausweichmöglichkeiten: Was an Bahnen und Zeiten in den Schwimmbädern der umliegenden
Gemeinden noch frei ist, wird genutzt – trotz Mietgebühren, weiter Anfahrtswege und ungünstiger Randzeiten. »Zum Teil haben wir nur furchtbare Zeiten bekommen können. Die Aktiven trainierten von 21 bis 22 Uhr, mit den Kindern mussten wir samstagmittags schwimmen«, sagt Jakobs.

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Bootskorso in Berlin
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Insgesamt können die verloren gegangenen Übungsstunden auch nur teilweise aufgefangen werden. Haben die heimischen Vereine in Raunheim oder Hochheim weiteren Bedarf, sind die Rüsselsheimer die ersten, die weichen müssen. So werden einige Schwimmbad-Wechsel nötig.
Die Ungewissheit über die Zukunft begleitet die Lebensretter auch noch während der Jubiläumsfeierlichkeiten. Beim großen Sommerfest im Juni im Waldschwimmbad, wo die aktiven Mitglieder im Wasserrettungsdienst im Einsatz sind, erhalten alle Teilnehmer am Schwimmevent eine Jubiläumsmedaille. Das Fest ist ein Erfolg. Zum regulären Schwimmtraining kommen zu dieser Zeit jedoch bereits wesentlich weniger Kinder, Jugendliche und Aktive.
Während des Festaktes im August stellt der Bezirksvorsitzende, Volker Schiller in seiner Rede die Wichtigkeit eines Schwimmbades heraus. Landrat, Oberbürgermeister und weitere Ehrengäste stimmen mit ihm überein.
Im Oktober machen sich Rettungsschwimmer aus Rüsselsheim auf den Weg nach Berlin, wo die DLRG ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Mit dem Mehrzweckboot »Naunet« schließen sie sich dem Korso aus rund 180 DLRG-Booten an und demonstrieren auf der Fahrt vorbei an Bundeskanzleramt und Schloss Charlottenburg gegen das fortwährende Schließen von Schwimmbädern in Deutschland. Die Rüsselsheimer hoffen, nicht bis zum eigenen 100. Geburtstag ohne Schwimmbad zu bleiben.

Bürgerinitiative fordert Reparatur
In der mit etwa 65.000 Einwohnern größten Stadt im Landkreis Groß-Gerau hat sich inzwischen eine Bürgerinitiative formiert, die sich für die Reparatur des Hallenbades einsetzt. Eine »Minimal-Sanierung« soll das Schwimmen für Schulen, Vereine und Bürger kurzfristig wieder ermöglichen. Der Betrieb von Sportund Lehrschwimmbecken soll wieder aufgenommen und aufrechterhalten werden, bis ein neues Schwimmbad gebaut worden ist. Zwischen Mitte Februar und Anfang April unterstützen diese Forderung 4.000 Menschen, indem sie eine entsprechende Petition der Bürgerinitiative Pro Lachebad unterzeichnen. Diese startet unmittelbar danach ein Bürgerbegehren zur »unverzüglichen Reparatur« des Hallenbades.
Wenige Tage zuvor beherrscht das Thema auch die Jahreshauptversammlung der DLRG Rüsselsheim. Nach dem ersten Winterhalbjahr ohne das alte Schwimmbad verkündet Volker Schiller die traurige Bilanz am Ende des Jubiläumsjahres: 110 Mitglieder habe der Verein verloren. Ausbildungsleiterin Sabine Hedel berichtet von 600 Ausbildungsstunden weniger als im Vorjahr, ebenso über sinkende Teilnehmerzahlen und Probleme mit den Ausweich-Schwimmbädern. Der Technische Leiter Einsatz, Olaf Schnückel, befürchtet, dass langfristig auch die Einsatzfähigkeit der Wasserretter beeinträchtig wird. Oberbürgermeister Burghardt ist auch in diesem Jahr zu Gast. Er bekräftigt den Willen der Stadt, das Schwimmen in einem Hallenbad in Rüsselsheim wieder zu ermöglichen. An der Lösung werde gearbeitet. Bis es soweit ist, geht das Ringen um Schadensbegrenzung für die DLRG weiter.





Bootskorso in Berlin
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Der Sommer 2014 vergeht, die nächste Hallenbadsaison ohne das Bad an der Lache beginnt. Doch im Oktober werden endlich die Weichen für die Zukunft gestellt. Das Stadtparlament verabschiedet – trotz klammer Kassen – einen Grundlagenbeschluss für den Bau eines neuen Hallenbades. Das alte Bad, dass die Technik für das angrenzende Freibad beherbergt, soll abgerissen werden, nachdem der Neubau fertiggestellt ist. Auf Reparatur und Weiterbetrieb – die Forderung des erfolgreichen Bürgerbegehrens – wird verzichtet. Stattdessen soll eine Traglufthalle über dem 50 Meter langen Freibadbecken das Schwimmen auch im Winter ermöglichen.
Das Provisorium für die kalte Jahreszeit wird Ende November errichtet. Knapp 30 Helfer, darunter acht Mitglieder der DLRG Rüsselsheim, treffen am frühen Samstagmorgen im Freibad ein. Nach einer Einweisung kleben sie zunächst alle scharfen Kanten rund um das Becken ab und füllen Sandsäcke zum Beschweren. Danach spannen die Helfer drei Folien über das Becken: die erste, die Innenfolie, die zweite Folie, ein Luftpolster zur Isolierung, und die dritte Folie, die Außenhülle. Zur Sicherung wird ein Netz aus Stahlseilen darüber gespannt. Dann starten die Generatoren, die die Halle mit einem Überdruck füllen und die Folien aufrichten.
»Natürlich war diese Lösung für den Übergang nicht optimal, aber eben besser als nichts«, sagt Öffentlichkeitsarbeiterin Ilka Jakobs heute über die Traglufthalle, die der DLRG Rüsselsheim und anderen Vereinen auch in den folgenden Jahren über den Winter hinweg einen regelmäßigen Trainingsbetrieb ermöglicht. Die Bedingungen sind widrig. Es ist laut, es zieht, der Boden ist kalt und die Wassertemperatur erreicht trotz auf Anschlag laufender Heizung nicht die gewohnte Temperatur eines fest umbauten Schwimmbeckens. Doch die noch aktiven Teilnehmer und Ausbilder machen das Beste daraus. Die Teilnehmerzahlen bleiben in der Folge auf niedrigem Niveau konstant, und der Mitgliederschwund kann allmählich gestoppt werden.

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Negativrekord
April 2015, die nächste Jahreshauptversammlung. Der Bezirk freut sich über einen neuen Gerätewagen Wasserrettung. Die Bilanz nach zwei Jahren ohne das alte Hallenbad ist dennoch besorgniserregend. Der neue Bezirksvorsitzende, Sascha Spengler, berichtet von 626 verbliebenen Mitgliedern – der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1970er-Jahren. Der inzwischen wieder regelmäßige Trainingsbetrieb lässt die Versammelten jedoch auf die Trendwende hoffen. Der Oberbürgermeister bestärkt diese Hoffnung. Bis zum Hessentag im Mai 2017 soll das neue Sport- und Vereinsbad fertiggestellt sein. Weiter durchhalten, lautet die Devise.
Im Mai wird die Traglufthalle abgebaut. Für die Zeit bis zu den Sommerferien haben sich die Schwimmausbilder ein Ersatztraining ausgedacht, um den Nachwuchs nicht zu verlieren. Die älteren Kinder und Jugendlichen treffen sich zu der üblichen Trainingszeit am Montagnachmittag in der Vereinsunterkunft und erlernen theoretisches Wissen rund ums Rettungsschwimmen, das sie für den Junior-Retter benötigen. Die Jüngeren treffen sich je nach Wetter im Waldschwimmbad oder im Vereinsheim. Sie üben das Werfen von Wurfsack und Rettungsball, Knotenkunde und lernen die Leinenzugzeichen kennen, die bei Tauchgängen zur Kommunikation zwischen Einsatztaucher und Signalmann verwendet werden. Auch mit Erster Hilfe setzen sie sich auseinander.
Währenddessen schreiten die Planungen für das neue Schwimmbad voran. Dabei bindet die Stadt die Vereine mit ein. »Wir konnten unsere Anforderungen benennen und wir haben dazu auch immer Rückmeldung erhalten«, schaut Ilka Jakobs zurück. Und weiter: »Wenn etwas nicht umgesetzt werden konnte, hat man uns das nachvollziehbar erklärt. So kam kein Gefühl der Willkür auf. Stattdessen machte sich Aufbruchstimmung breit.«

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Seit Anfang 2018 findet An der Lache wieder Schwimmausbildung statt
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Zum 57. Hessentag im Juni 2017 kommen nach Angaben des Veranstalters mehr als 1,4 Millionen Besucher nach Rüsselsheim am Main. Ein Hallenbad hat die Stadt jedoch noch nicht. Der Bauprozess hat sich verzögert. Die Aktiven der DLRG Rüsselsheim ziehen noch einmal das schon bewährte Ersatztraining für den Nachwuchs durch. Ein Kindersommerfest im September bildet den Höhepunkt der Saison. Nun steht letztmals der provisorische Trainingsbetrieb in der Traglufthalle bevor.
Im Frühjahr 2018 ist die fünfjährige Durststrecke beendet. Rund 60 Schwimmer, Rettungsschwimmer und Schnorcheltaucher finden sich zum ersten Training im neuen Hallenbad ein und springen gemeinsam ins Becken. Vereine können das Bad, das sich zunächst im Probetrieb befindet, ab sofort nutzen, die Öffentlichkeit muss sich noch bis zum Herbst gedulden.
Das Schwimmbad verfügt auch über ein großes Lehrschwimmbecken für die Anfängerschwimmausbildung. Nur ein Sprungturm und eine ausreichende Beckentiefe für das Tieftauchen fehlen. Die Rettungsschwimmer fahren deshalb auch weiterhin in ein Bad in einer benachbarten Stadt. »Das ist für uns nicht perfekt, aber in Ordnung«, findet Ilka Jakobs und fügt freudestrahlend hinzu: »Dafür haben wir jetzt wieder ein Schwimmbad.«
Die Teilnehmerzahlen und auch die Mitgliederzahlen im Bezirk steigen bereits wieder. Die Ausbilder konnten zum Großteil reaktiviert werden und es sind neue dazugekommen. Jakobs: »Die DLRG Rüsselsheim hat Glück gehabt. In anderen Fällen war die Schließung des Schwimmbades der Anfang vom Ende der Gliederung.« 
 
Probleme in der Umgebung
Von einem neuen Bad träumen auch die Wasserretter im 30 Kilometer entfernten Pfungstadt. 2014 machte das alte Schwimmbad dicht. Auf ihrer Internetseite bittet die Ortsgruppe seither um Verständnis, dass nur ein eingeschränktes Kursangebot möglich ist. Dafür weichen die Aktiven auf verschiedene Bäder in Darmstadt und Weiterstadt aus. Im Dachverband Schwimmen engagieren sich die Lebensretter gemeinsam mit anderen Akteuren für den Bau eines neuen Schwimmbades.
Weniger als 30 Kilometer von Pfungstadt aus sind es bis Dieburg. Hier betreibt der Wassersportverein (WSV) seit Ende 2003 ein Trainingsbad. Laut einem Bericht des Landessportbundes Hessen unterrichten dort 18 Schulen. Noch einmal so viele Vereine trainieren im Bad und bilden aus, darunter gleich mehrere DLRG-Gliederungen. Wöchentlich nutzen das zehnmal 25 Meter große Becken rund 2.000 Personen. Doch Ende des Jahres gehen auch im Dieburger Schwimmbad die Lichter aus. Der Eigentümer will es abreißen. Auf dem Gelände sollen mehrere Einfamilienhäuser entstehen. Das Vorhaben ist nicht neu. Der WSV plant bereits seit 2012 für einen Neubau. Im kommenden Jahr sollte dieser fertiggestellt sein. Inzwischen hat sich der Verein von dem Ziel verabschiedet. Unter anderem mangele es an konkreten Zusagen vom Landkreis und vom Land Hessen. Bleibt es beim Entschluss des Eigentümers, müssen WSV und die Nutzer versuchen, auf andere Sportstätten auszuweichen, was angesichts der ohnehin stark ausgelasteten Bäder in der Region schwierig werden dürfte.

Seit Anfang 2018 findet An der Lache wieder Schwimmausbildung statt
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DLRG Präsident Achim Haag
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Während in Rüsselsheim die Zukunft für den Bezirk gesichert ist, geht also andernorts der Kampf um die Existenzgrundlage weiter. In Hessen ist die Landesregierung durchaus bereit, den Badbetreibern unter die Arme zu greifen. Bereits zwischen 2007 und 2012 wurden über das Hallenbad-Investitionsprogramm (HAI) 50 Millionen Euro verteilt. In diesem Jahr sollen erstmals Mittel aus dem Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm (SWIM) fließen. Wie schon bei HAI sind auch für SWIM in Summe 50 Millionen Euro über fünf Jahre eingeplant. »Das Land Hessen ist ein positives Beispiel für die Unterstützung des Bäderbaus und Bädererhalts«, sagt der Präsident der DLRG, Achim Haag. Zur Lösung des Problems reiche die Förderung aber nicht aus. Haags Vorschlag: »Ich könnte mir vorstellen, dass ein runder Tisch gebildet wird, an dem Bund, Länder und Kommunen Platz nehmen und gemeinsam die erforderliche Finanzierung der Schwimmbäder sicherstellen.« Oder anders: Es brauche einen neuen »Goldenen Plan«. Das von der Deutschen Olympischen Gesellschaft initiierte Sportstättenprogramm über alle staatlichen Ebenen hinweg führte dazu, dass in den 1960er- und 1970er-Jahren bundesweit viele Frei- und Hallenbäder gebaut wurden. Auch in der Folge wurde noch kräftig investiert. »Warum sollte, was damals möglich war, heute nicht mehr funktionieren?«, fragt Haag an die politisch Verantwortlichen gerichtet.

Die Mitstreiter der DLRG in der Bäderallianz Deutschland sehen das genauso. Eines ihrer Mitglieder, die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen, hat 2018 mit der Bergischen Universität Wuppertal eine Studie durchgeführt, um die aktuelle Situation in der Bäderlandschaft zu beleuchten. Erste Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Archiv des Badewesens 2/2019 veröffentlicht. Von den in der Stichprobe enthaltenen Bädern wurde fast die Hälfte während der Laufzeit des »Goldenen Plans« gebaut. Nur jedes sechste Bad entstand in den vergangenen 20 Jahren.

Angesichts der Altersstruktur der Bäder und vielerorts bisher zu geringer Investitionen in den Bestand ist ein beträchtlicher Sanierungsstau nicht verwunderlich. In besagter Studie bezeichnete fast ein Drittel (32 Prozent) der befragten Badbetreiber den baulichen Zustand als allenfalls »ausreichend« oder gar »mangelhaft«. In jedem siebten Bad, das in der Erhebung erfasst wurde, besteht nach Ansicht des Betreibers ein »gravierender Investitionsrückstand«, wodurch der Badebetrieb schon eingeschränkt ist oder das kurzfristig zu befürchten steht. Dieser Rückstand werde in naher Zukunft bei einem erheblichen Teil der Bäder weiter anwachsen. Der Studie zufolge »muss weiter davon ausgegangen werden, dass jedes zweite (öffentliche) Schwimmbad kurz- bis mittelfristig saniert werden muss«. Und: In diesem Jahr drohe bis zu 70 weiteren Bädern das Aus.

DLRG Präsident Achim Haag
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Petition: Rettet die Bäder!
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Doch was ist zu tun, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den geforderten neuen »Goldenen Plan« zu erreichen? Die DLRG startete im Oktober die Kampagne »Rettet die Bäder«, um Aufmerksamkeit für das Thema in einer breiten Öffentlichkeit zu erzielen, Mitstreiter zu gewinnen und den Druck auf die politisch Verantwortlichen zu erhöhen. Im Mittelpunkt der Kampagne steht eine Online-Petition. Am 19. Februar wurde ein erster Meilenstein erreicht. 50.000 Unterstützer hatten bis zu diesem Tag die Petition unterzeichnet, womit das Quorum für ein bundesweites Gesuch erreicht wurde. Das Quorum ist ein Indikator für die Relevanz eines Themas. Sind die benötigten Unterschriften erreicht, fordert openPetition, der Plattformbetreiber, von den zuständigen Entscheidungsträgern Stellungnahmen ein. Diese werden auf der Plattform veröffentlicht.

Bis zur Fertigstellung dieser Ausgabe haben mehr als 58.000 Personen in Deutschland die Petition unterschrieben. Viele Gliederungen legten bei Veranstaltungen und im Schwimmbad Unterschriftenlisten aus. Allein auf den Messen »boot« in Düsseldorf und »didacta« in Köln wurden rund 3.000 Unterschriften gesammelt. Hinzu kommen zahlreiche Unterstützungsaufrufe in verschiedenen Kanälen im Internet sowie manches mehr. Auch andere Vereine, Verbände und Institutionen schlossen sich der Sache an. »Nach zögerlichem Beginn hat unser Unterfangen doch mächtig Fahrt aufgenommen. Allen Unterstützern möchte ich persönlich herzlich danken«, sagt Achim Haag und fügt sogleich hinzu: »Die verbleibende Zeit bis zum 11. April wollen wir alle gemeinsam nutzen, um noch viele weitere Unterschriften zu sammeln. Jede Stimme zählt und verleiht unserem Anliegen zusätzliche Bedeutung.«
  
Nach Abschluss der Aktion wird der Bundesverband der DLRG die gesammelten Unterschriften öffentlichkeitswirksam in Berlin übergeben und beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages sein Anliegen offiziell als Petition einreichen, womit ein weiterer Meilenstein erreicht wäre. Doch damit soll es das nicht gewesen sein: »Wir wollen den neuen Goldenen Plan, wir wollen das Bad um die Ecke, erschwinglich für jedermann, wir wollen flächendeckend ausreichend Wasserflächen für die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung und wir werden nicht nachlassen, bis wir unsere Ziele erreicht haben«, gibt sich der DLRG-Präsident kämpferisch.

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Ausbildung trotz Bäderschließung

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Dienstagvormittag, morgens um halb zehn. Busfahrer Harry Sturm ist mit den Viertklässlern der Wagrienschule aus Oldenburg in Holstein auf dem Weg ins 30 Kilometer entfernte Sierksdorf. Ihr Ziel: das dortige Schwimmbad. "Ich mag den Schwimmunterricht sehr, aber ich finde es doof, dass man so lange fahren muss", sagt einer der Schüler. Ein Bad im heimischen Oldenburg gibt es aber schon lange nicht mehr. Deshalb nehmen Sportlehrerin Taryn Bader, einer ihrer Kollegen und die Kinder Woche für Woche die Fahrt in Kauf. Zusammen eine Stunde Hin- und Rückfahrt, weitere 30 Minuten für das Umziehen und Duschen. Eine halbe Stunde bleibt für den Schwimmunterricht.

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#nachgefragt

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Warum sind Bäder so wichtig für die Menschen? Was ist schleichendes Bädersterben? Was kann man unter anderem auf kommunaler Ebene tun, um der Bäderschließung entgegenzuwirken und Wasserflächen zu erhalten? Achim Haag, Präsident der DLRG, gibt in #nachgefragt Antworten auf diese und weitere Fragen.

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Inhalt Kampagne

Im Herbst 2018 startete die DLRG die Kampagne "Rettet die Bäder!", um auf die anhaltenden Bäderschließungen in Deutschland aufmerksam zu machen.

Dazu entstand ein eigener Kinospot sowie eine Online-Petition, bei der jeder unterstützen kann.

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Online-Petition

Die Petition auf der Plattform onlinePetition.de
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Ende 2018 startete die DLRG unter dem Titel "Rettet die Bäder" eine Online-Petition, in der sie unter anderem eine angemessene und nachhaltige Bäderversorgung fordert.
Für die Petition wollte die DLRG mindestens 50.000 Unterstützende gewinnen - das ist das Quorum für eine bundesweite Petition, damit diese direkt an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages weitergereicht werden kann.

Im Februar 2019 konnte dieses erste Ziel bereits erreicht werden. Im April wird die Petition dann offiziell übergeben. Doch damit ist sie noch lange nicht erfolgreich: Es gilt weiterhin, Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern zu suchen und das Thema immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Hier geht es direkt zur Petition. 

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Rettet die Bäder

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In den vergangenen 17 Jahren sind durchschnittlich 80 Schwimmbäder pro Jahr geschlossen worden. Immer mehr Kinder sind keine sicheren Schwimmer. Schwimmunterricht entfällt vielerorts gänzlich.

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Wirtschaftsfaktor, Lernort für Schulen, sozialer Treffpunkt sowie Wettkampf- und Trainingsraum - das haben Deutschlands Bäder alle gemeinsam. Seit Jahren sehen wir aber mit großer Sorge den unheilvollen Trend zu Bäderschließungen in Deutschland.

Viele öffentliche Bäder stehen vor bisher ungelösten Problemen. Etwa die Hälfte der Anlagen weisen einen erheblichen Sanierungsstau auf; insbesondere Schwimmvereine und Wasserrettungsorganisationen berichten von einer zunehmenden Bedarfsunterdeckung, was sich zum Beispiel in zu langen Wartezeiten für Schwimmkurse auswirkt. Die aufgrund der sozialen und gesellschaftlichen Leistungen der Bäder erforderlichen Zuschüsse können wegen häufiger Finanzknappheit und struktureller Unterfinanzierung von den Trägern, hauptsächlich Kommunen, immer weniger geleistet werden.

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In unseren Schimmbädern findet die Schwimmausbildung statt. Ohne sie kann keine adäquate Ausbildung erfolgen, immer mehr Menschen bleiben Nichtschwimmer.
Bereits heute ist eine Verschlechterung der Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung, vor allem bei Kindern, nachweisbar. Fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer - so eine repräsentative forsa-Umfrage von 2017.

Ausbildungsangebote gehen drastisch zurück, Wartelisten werden länger und Schulschwimmen als Schulsport findet vielfach nicht mehr statt. 25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang mehr zu einem Bad - das erschwert die Schwimmausbildung erheblich.

Die aktuelle DLRG-Statistik Todesfälle durch Ertrinken belegt zudem leider einen Anstieg bei den Vor- und Grundschulkindern: In der Altersklasse 0-10 Jahre starben 2018 mindestens 26 Kinder (+13). Unter den 11-15-Jährigen gab es mindestens 13 Todesfälle (+9).

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Im Jahr 2018 ertranken in Deutschland mindestens 504 Menschen, 100 mehr als im Jahr zuvor.

Die Ursachen vieler Ertrinkungsfälle sind Leichtsinn, das Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, eine zu hohe Risikobereitschaft sowie insbesondere das Baden an unbewachten Badestellen.

Darüber hinaus spielt die zurückgehende Schwimmfähigkeit der Deutschen (auch infolge anhaltender Bäderschließungen) eine Rolle - vor allem in der Zukunft. Menschen, die schlecht oder gar nicht schwimmen können, suchen im Sommer dennoch die Gewässer auf, um Freizeitspaß am Wasser zu genießen. Sind immer mehr Menschen keine sicheren Schwimmer, droht langfristig ein Anstieg tödlicher Badeunfälle.

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Um die Missstände wirksam zu bekämpfen, sind unter anderem folgende Maßnahmen zu ergreifen: So sollte eine angemessene und nachhaltige Bäderversorgung durch systematische Bedarfsplanung- und deckung im Rahmen eines bundesweiten Masterplans sichergestellt werden.

Der Raum für Schwimmen kann nur weiterentwickelt werden, wenn auf allen räumlichen Ebenen der jeweilige Bedarf der Öffentlichkeit, der Schulen und der Sportvereine auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt und darauf aufbauend Raumprogramme aufgestellt und umgesetzt werden.

Wir fordern einen goldenen Plan ähnlich dem der 1960er Jahre. Wir fordern die Politik auf, eine Gesellschaft ähnlich der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) zu gründen, die ausschließlich die Koordination der Bädersanierung zur Aufgabe hat - mit einem Zeitrahmen von zehn Jahren.

Die Finanzierung der öffentlichen Bäder muss nachhaltig gesichert werden. Der hohe Sanierungsstau zeigt deutlich, dass unter der Prämisse der grundsätzlichen kommunalen Zuständigkeit für die Finanzierung von Bädern nachhaltige, bundesweit einheitliche Bäderentwicklung nicht stattfinden kann.

Um diese Forderungen zu bündeln, wurde die Bäderallianz Deutschland ins Leben gerufen...

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In der Bundesrepublik Deutschland gibt es derzeit rund 5.000 Bäder. Jährlich werden durchschnittlich 80 Schwimmbäder geschlossen. Dieses schleichende Bädersterben muss, so eine zentrale Forderung der 2017 gegründeten Bäderallianz Deutschland, endlich beendet werden. Dazu werden kurzfristig für anstehende Sanierung mindestens 4,5 Milliarden Euro benötigt. Für den laufenden Unterhaltszuschuss seien außerdem jährlich rund drei Milliarden Euro erforderlich. Der Sprecher der Bäderallianz Deutschland, Dr. h. c. Fritz Schramma, sagt dazu: "Es darf keine Frage der finanziellen Mittel einer bestimmten Stadt oder Gemeinde sein, ob dort Bäder für das Schulschwimmen zur Verfügung stehen und die Kinder schwimmen lernen können. Bäder, die für die Daseinsvorsorge gebaut werden, müssen auch über ihre gesamte Lebensdauer bei den Betriebskosten bezuschusst werden und bezuschusst werden können, sonst können sie ihre Aufgaben nicht erfüllen."

Weiter fordert die Bäderallianz, eine nutzergerechte Verteilung der Wasserzeiten für Öffentlichkeit, Schulen und Vereine sicherzustellen. Die Bäderversorgung für die zu erwartende wachsende Anzahl von Grundschulkindern (Studie Bertelsmann-Stiftung 2017) müsse gesichert und die Schwimmausbildung auf allen Ebenen massiv gefördert werden. Die Zunahme der Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland müsse gestoppt werden. Schließlich sei dem fortschreitenden Mangel an Badepersonal entgegenzuwirken. Eine deutliche Steigerung der Qualität des Schwimmunterrichts im Rahmen des Schulsports sei notwendig. Lehrkräfte müssten nach einheitlichen Standards in der Schwimmausbildung und Rettungsfähigkeit ausgebildet und geprüft werden.

Die Bäderallianz Deutschland fordert die Politik auf, jetzt die Weichen für den Erhalt und die nachhaltige Weiterentwicklung der deutschen Bäder zu stellen. Dem Zusammenschluss gehören neben der DLRG die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen, das Bundesinstitut für Sportwissenschaft, der Deutsche Sportlehrerverband und sieben weitere Verbände an.

www.bäderallianz.de

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Making-of des Films

Mitte August 2018 begannen die Dreharbeiten zum neuen DLRG-Kinospot mit dem Thema "Bäderschließungen". Dieses machte während des lang anhaltenden Sommers im Jahr 2018 häufig Schlagzeilen in verschiedenen Medien.

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Die Wahl des Drehortes sollte natürlich auf ein bereits geschlossenes Freibad fallen. Nachdem ein sogenannter Location Finder für das Drehteam von TVN eine Vielzahl infrage kommender Bäder ausgemacht hatte, entschied man sich für das ehemalige Freibad in Emden-Borssum (Ostfriesland).

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Obwohl das Schwimmbad zu dem Zeitpunkt seit gerade einmal zwei Jahren nicht mehr in Betrieb war, hatte sich die Natur einen großen Teil des Geländes zurückgeholt. Eine Bürgerinitiative plant, die Schwimmstätte auf eigene Faust wieder in Schuss zu bringen.

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Für den Dreh wurden rund 30 Komparsen von einer Hamburger Agentur engagiert. Wie "Zombies" sollten diese durch die leeren Becken schlurfen, apathisch am Beckenrand stehen und in das leere, verdreckte Becken starren. Mittendrin ist der junge Protagonist Luis, der verzweifelt und desillusioniert durch das Bad streift.

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