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Wecome to Australia

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Die Reise nach Australien

Etwa 16.000 Kilometer liegen zwischen Deutschland und der Stadt Adelaide im Süden Australiens. Eine lange Reise, keine Frage. Im November nehmen DLRG-Mitglieder aus der ganzen Republik die damit verbundenen Strapazen in Kauf. Ihr Ziel: Die Lifesaving World Championships, die Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen, am anderen Ende der Erde.

Der Weltverband International Lifesaving Federation (ILS) der Wasserrettungsorganisationen hat eingeladen. Über 5.000 Sportler und Offizielle folgen der Einladung, wie im Veranstaltungsprogramm zu lesen ist. Zur offiziellen Eröffnung spricht ILS-Präsident Graham Ford sogar von 7.000 Teilnehmern. Größer sei eine Weltmeisterschaft nie gewesen. Wo, wenn nicht in dem Land, in dem der Rettungssport so populär ist wie sonst nirgends.

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Hintergrund

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Für die Weltmeisterschaft in Australien hat die DLRG insgesamt 12 Rettungssportler nominiert, die im November die deutschen Farben repräsentierten. Bundestrainerin Elena Prelle wählte jeweils sechs Sportlerinnen und Sportler aus, darunter sieben aus Westfalen, drei aus Mecklenburg-Vorpommern und zwei aus Sachsen-Anhalt.

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Interview mit Jan Malkowski

Interview mit Vivian Zander

Interview mit Joshua Perling

Interview mit Kerstin Lange

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Interview Jan Malkowski

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Interview Vivian Zander

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Interview Joshua Perling

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Interview Kerstin Lange

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Die Wettkämpfe

Die von der International Life Saving Federation ausgetragene Weltmeisterschaft im Rettungsschwimmen findet alle zwei Jahre statt. Neben dem Wettstreit der Nationen werden weitere Wettbewerbe mit Athleten aus der ganzen Welt ausgetragen, etwa die der Vereine (Interclubs), der Altersklasse-Athleten ab 30 Jahren (Masters) oder auch von Teams mit Rettungsbooten.

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Am ersten Wettkampftag für die DLRG Nationalmannschaft mussten sich die deutschen Athleten in der Simulierten Rettungsübung SERC beweisen. Daniel Roggenland hat uns erzählt, wie es gelaufen ist.

Mit Teammanager Holger Friedrich haben wir über die Reise in den Süden Australiens, das bisherige Training und den Wettkampfpool im SA Aquatic & Leisure Centre gesprochen.

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Am zweiten Wettkampftag der Weltmeisterschaft feierte die DLRG Nationalmannschaft ihre erste Goldmedaille: Kerstin Lange, Vivian Zander, Jan Malkowski und Joshua Perling gewannen die gemischte Pool Lifesaver Staffel (1:47,70min), die erstmals bei einer WM auf dem Programm stand.

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Ein goldener Tag für die deutschen Rettungsschwimmer in Adelaide. Plötzlich lief es wie geschmiert. Am letzten Tag der Wettkämpfe im Schwimmbecken holte die DLRG Nationalmannschaft insgesamt fünfmal Gold.

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Verhältnismäßig kühle 16 Grad und Regen machten den Athleten zu schaffen. "Die Wärmemantel hatten wir - wie viele andere Nationen auch - nicht im Gepäck, hatten wir uns im Vorfeld doch auf besseres Wetter eingestellt", sagte Kai Schirmer, Co-Trainer der DLRG Nationalmannschaft.

Die Deutschen gingen als Vierter in der Gesamtwertung der 44 teilnehmenden Nationen in die Ocean-Wettbewerbe. Die Aussicht auf den Gewinn von Medaillen war jedoch eher gering. Die Gurtretter-Staffel der Männer verpasste als Vierte Bronze. Die Frauen liefen als Fünfte über die Ziellinie. Im viermal 90 Meter Strandsprint wurden beide deutschen Staffeln Achte.

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Nach fünf Wettkampftagen und Entscheidungen in 23 Disziplinen sammelten nur der neue Weltmeister Australien, Neuseeland und Frankreich mehr Punkte in der Nationenwertung als die zwölf deutschen Rettungsschwimmer.
„Unsere Sportler haben sich wirklich sehr gut geschlagen, mit etwas mehr Glück wäre sogar ein Platz auf dem Podium drin gewesen“, sagte Holger Friedrich.

Carla Strübing qualifizierte sich bei ihrer ersten Weltmeisterschaft für drei Einzelfinals und erzielte auf dem Rettungsski als Zehnte ihr bestes Ergebnis. „Ich kann mit meinen Leistungen absolut zufrieden sein und mit den Stars aus Australien und Neuseeland an den Start zu gehen, war schon ein besonderes Erlebnis für mich“, so die 20-Jährige.

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Die Reise

Zwölf junge Rettungsschwimmer der DLRG vertraten die deutschen Farben bei der Weltmeisterschaft im Rettungsschwimmen 2018 in Adelaide. Dort traf das Nationalteam auf Auswahlmannschaften aus 44 Ländern aller Kontinente.

Wir haben das Team Deutschland auf dem Weg von Warendorf (Westfalen) über Singapur nach Südaustralien begleitet.

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Video: Denis Foemer

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Die Eröffnung

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Am 20. November wurden die Wettkämpfe der Lifesaving World Championships (LWC) 2018 in Adelaide Australien offiziell eröffnet.

Mit 7.000 Athleten, Betreuern, Offiziellen und Helfern sei die WM die größte, die es bisher gegeben hat, sagte ILS-Präsident Graham Ford.

Rund 2.500 Menschen nahmen an der Eröffnung in Glenelg, wenige Kilometer von Adelaide entfernt, teil.

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Die Reportage

Welcome to Australia

Auf Besichtigungstour in Singapur: Jasmin Dziuron (links) und Kerstin Lange. (Foto: Denis Foemer)
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Ich reise mit der Nationalmannschaft der DLRG. Wir brechen am 12. November in Warendorf, Westfalen, auf. Elena, die Bundestrainerin, betreut hier die Soldaten der Sportfördergruppe Rettungsschwimmen. Zwei von ihnen, Jan und Vivian, gehen mit auf die Reise. Die anderen Mitglieder des Teams studieren oder gehen ihrem Beruf nach und haben sich für die kommenden Wochen Urlaub genommen. Eines haben alle zwölf Athleten gemeinsam: Die Leidenschaft zu ihrem Sport, den sie mit viel Hingabe betreiben. »Rettungssport auf dem Niveau fordert eine ganze Menge ab. Um mit den Besten der Welt mithalten zu können, muss man zehn- bis zwölfmal die Woche trainieren, fast das ganze Jahr über«, sagt Holger. Er gehört als Teammanager ebenfalls unserer Reisegruppe an.

Mit dem Taxi geht es von der Sportschule der Bundeswehr zum
Bahnhof. Der Fahrer wünscht uns zum Abschied viel Erfolg. Über Münster fahren wir nach Frankfurt am Main. Die Bahn verliert unterwegs Zeit, doch wir haben genug davon. Gegen Mitternacht hebt der Flieger ab. Nächster Halt: Singapur. Die Sportler sollen sich etwas ausruhen und anfangen, sich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen. Deshalb bleiben wir einen Tag. Mit der U-Bahn fahren wir weiter zum Hotel. Das tropische Klima draußen auf der einen sowie die klimatisierten Bahnen und Gebäude auf der anderen Seite bilden eine gefährliche Kombination. Eine Erkältung können die Sportler nicht gebrauchen. Mit Ausnahme von Denis, der uns als Kameramann und Fotograf begleitet, sollen aber alle davon verschont bleiben. Ehe wir in unsere Betten fallen, besichtigen wir die City und sammeln dabei atemberaubende Eindrücke.

Auf Besichtigungstour in Singapur: Jasmin Dziuron (links) und Kerstin Lange. (Foto: Denis Foemer)
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Kirsten Lühr mit Koala-Dame Buffy (Foto: Denis Foemer)
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Das Vereinsheim in Glenelg, ein Vorort von Adelaide, liegt direkt am Strand. Im ersten Stock bietet ein großzügig angelegtes Restaurant nicht nur eine gute Küche, sondern auch einen traumhaften Blick auf den Ozean. Elf Tage lang werden wir hier gemeinsam essen, umgeben von Fotos aus der Vereinsgeschichte, Pokalen, Tafeln mit Namen von verdienten Mitgliedern und kleinen Flaggen der 44 Nationen, die an der Weltmeisterschaft teilnehmen.

Bis zum Beginn des Wettkampfes sind es jetzt noch sechs Tage. Am Strand laufen die Vorbereitungen. Eine Beach Arena mit Tribünen zu Wasser und zu Land ausgerichtet entsteht. Entlang der Promenade wehen an den Masten bereits die Flaggen, wieder 44.

Direkt hinter der Arena erstreckt sich nahezu spiegelglatt das Meer. Die 1,3 Millionen Einwohner zählende Hauptstadt des Bundesstaates South Australia liegt am Saint-Vincent-Golf.

Die Nationalmannschaft trainiert in den kommenden Tagen. Meist fahren Sportler und Trainer in ein Freibad. Hin und wieder können Einheiten im Wettkampfpool absolviert werden. Die Freigewässerspezialisten sind natürlich häufiger am Strand zu finden. Ein Besuch im Cleland Wildlife Park ist neben einem Foto- und Interviewtermin die einzige Abwechslung zum wiederkehrenden Ablauf aus trainieren, regenerieren, essen und schlafen. Im Tierpark in den Adelaide Hills trifft unsere Reisegruppe auf Buffy. Die Koala-Dame ist nicht gut drauf, sagt die Pflegerin. Glücklicherweise liegt es wohl nicht an dem Besuch aus Deutschland, sondern an einem wild lebenden Männchen, das sich in der Gegend herumtreibt.

Kirsten Lühr mit Koala-Dame Buffy (Foto: Denis Foemer)
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Den Anfang machten die Masters-Wettbewerbe (Foto: Denis Foemer)
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Tags darauf fahren Denis und ich zum SA Aquatic and Leisure Centre. Die Halle mit dem Wettkampfpool ist weitläufig gebaut, hell und mit einer großen Tribüne ausgestattet. Die Bedingungen scheinen perfekt für eine große Meisterschaft. Seit gestern laufen hier bereits die Masters-Wettbewerbe. Rettungsschwimmer ab 30 Jahren gehen – einsortiert in Altersklassen – an den Start. Wir treffen Anke, die zusammen mit drei anderen Sportlerinnen für Ennigerloh startet. Die zweifache Mutter ist seit frühester Kindheit mit dem Schwimmsport verbunden. Noch zu DDR-Zeiten hat sie in Chemnitz schwimmen gelernt. Anke hat schon in Köln und Lüneburg gelebt, inzwischen ist ihre Familie in Bad Aiblingen in Bayern zu Hause. Dort haben ihre beiden Kinder Schwimmkurse der DLRG besucht. Das Warten während der Kurszeiten war Anke schnell zu langweilig und sie beschloss, sich der Wettkampfgruppe anzuschließen, die sie heute selber trainiert. Das Training findet im 30 Kilometer entfernten Bad Endorf statt. Auch das Schwimm- und Rettungsschwimmtraining wird über 20 Kilometer entfernt von Bad Aiblingen im Hallenbad in Glonn durchgeführt. 2013 wurde das baufällige örtliche Hallenbad geschlossen, später abgerissen und die Fläche für Wohnbauten genutzt. Schon Jahre davor hatte Anke mit Gleichgesinnten begonnen, für ein Sportbad in Bad Aiblingen zu kämpfen. Sogar bei Markus Söder sind sie vorstellig geworden. Geholfen haben alle Bemühungen bisher nicht.

Den Anfang machten die Masters-Wettbewerbe (Foto: Denis Foemer)
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Kampfrichter Thomas Passing (rechts) war als Freiwilliger in Adelaide dabei. (Foto: Denis Foemer)
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Für die Reise nach Adelaide konnte Anke in ihrer Ortsgruppe keine Mitstreiter gewinnen. Der Termin außerhalb der Ferienzeiten ist ungünstig. Anke kann sich die Teilnahme selbst nur verwirklichen, weil ihr Mann und zeitweise ihre Eltern daheim alles übernehmen. Sie schließt sich mit Sportlerinnen zusammen, die in einer ähnlichen Situation sind und die sie von früheren Wettkämpfen kennt. »Allein wollte ich nicht fahren, im Team ist es doch viel schöner.«

Während wir uns unterhalten, feuern die deutschen Teilnehmer neben uns auf der Tribüne mit lauten Rufen Jürgen an, der etwas mehr als eine Minute später seinen Lauf über 100 Meter Retten mit Flossen in seiner Altersklasse (AK) als Zweiter beendet und am Ende Elfter wird. Anke, die in der AK 44 bis 49 startet, wird Vierte, verpasst Bronze um knapp zwei Sekunden. In der Zeit nach unserem Zusammentreffen wird sie dann sogar zweimal Weltmeisterin mit der Staffel. Insgesamt sammeln die Masters-Athleten aus Deutschland an den drei Wettkampftagen im Schwimmbecken fast 80 Medaillen. Im Teilnehmerfeld
sind zahlreiche DLRG-Ortsgruppen vertreten, von A wie Alpen bis W wie Wadgassen. Mindestens ein Dutzend kann ich ausfindig machen.

Unterhalb der Tribüne am Ende der Bahn fünf sitzt Claudia. Sie nimmt die Zeiten, wenn die Sportler anschlagen. Claudia ist eine erfahrene Kampfrichterin in der DLRG. Um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft hatten ihr Mann Michael und sie sich im vergangenen Jahr beworben. Nach der Zusage haben sie Urlaub genommen und gebucht. Neben den beiden Berlinern sind noch weitere deutsche Kampfrichter als Freiwillige dabei. Thomas zum Beispiel, der entlang des Beckens auf- und abgeht. Er schaut, ob die Sportler auf der zugewiesenen Bahn regelkonform ihren Lauf bestreiten. Auch Thomas hat sich erfolgreich beworben und absolviert ein volles Programm. Erst drei Tage Masters, dann nach einer kurzen Pause sechs Tage Nationalmannschaften (Junioren und Erwachsene) und direkt danach noch die Interclubs in gleichem Umfang. Bekleidung bekommt er vom Ausrichter gestellt. Auch die Verpflegung ist inbegriffen. Alle weiteren Kosten tragen Thomas und die anderen selbst. Dankbare Sportler und das Miteinander in der Gemeinschaft der Unparteiischen sind es unter anderem, was die freiwilligen Helfer motiviert.

Kampfrichter Thomas Passing (rechts) war als Freiwilliger in Adelaide dabei. (Foto: Denis Foemer)
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Parade zur Eröffnung der Wettkämpfe (Foto: Steph Dittschar)
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Für mich als Beobachter bieten die Masters-Wettbewerbe erstaunliche Momente. Jenny Whiteley aus Australien beispielsweise beendet in der Ak 60 bis 64 die 100-Meter-Retten mit Flossen und Gurt rund 24 Sekunden unter dem aktuellen Weltrekord. Auch die Sechstplatzierte im Lauf bleibt noch fast vier Sekunden unter der bisherigen Bestmarke. Oder Barbara Pearce, die für denselben Club wie Whiteley startet. In der Ak 70+ absolviert sie das Retten ohne Flossen über 50 Meter in 2:00,86 Minuten, mehr als eine Minute über der Weltbestzeit und fast 50 Sekunden nach der Erstplatzierten. Alle in der Halle fiebern mit ihr mit, feuern sie an und belohnen sie mit stehenden Ovationen. Und noch ein beeindruckender Moment: Martin Coulet vom Club Ottawa Beaches gewinnt – jetzt wieder die 100 Meter mit Flossen und Gurtretter – Bronze. Der Kanadier ist der einzige Teilnehmer im Starterfeld mit einer sichtbaren Behinderung. Mit nur einer Hand schwimmt der die ersten 50 Meter, legt dann den Gurtretter um die Puppe, um diese zurück in Richtung Ziel zu schleppen. Es gibt viel Beifall für den Medaillengewinner, seiner Frau schießen Tränen in die Augen.

Emotionale Momente bietet auch die Eröffnungsfeier am Abend, bevor es für das DLRG-Nationalteam ernst wird. Zumindest zu Beginn. Dudelsack spielende Frauen und Männer im Schottenrock kündigen am Moseley Square den Marsch der teilnehmenden Nationen an. Dem Gastgeber folgen die lautstarken Argentinier, später Fähnchen schwingende Koreaner, in traditioneller Tracht gekleidete Thailänder und viele mehr. Einige Nationen hatten noch kurz vor dem Marsch ein Zeitfenster für eine Trainingseinheit im Wettkampfpool. Die Deutschen haben es gerade rechtzeitig geschafft. Die Franzosen und Italiener eilen jedoch an mir vorbei, um sich schnell noch richtig in den sich bereits bewegenden Zug einzusortieren. Etwa 300 Meter weiter sammeln sich bereits alle im Champs Hub, einem Festzelt, das während der Veranstaltung als Treffpunkt zur Zusammenkunft dient. Hier wird in fünf Tagen auch der Weltmeister unter den Nationen gekürt. Es folgen Grußworte, die Eide der Athleten und Kampfrichter werden gesprochen, ehe Graham Ford die »größte Weltmeisterschaft« aller Zeiten eröffnet.

Parade zur Eröffnung der Wettkämpfe (Foto: Steph Dittschar)
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Auch im Programm bei der Weltmeisterschaft: der Wettkampf der Surf Boats (Foto: Steph Dittschar)
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Die Spiele beginnen. Platz drei hinter den favorisierten Teams aus Australien und Neuseeland hat Holger als Ziel ausgegeben. Der Wettstreit der Nationen als Herzstück der Veranstaltung startet mit der Simulierten Rettungsübung, in der sich je Team vier Sportler beweisen müssen. Frankreich wird zum dritten Mal Weltmeister, die Deutschen landen nur auf einem enttäuschenden 20. Rang – keine Punkte. Es folgen zwei Tage mit vollem Programm im Schwimmbecken. Auch die nächsten Disziplinen – Hindernisschwimmen und Leinewerfen – bringen der DLRG Nationalmannschaft noch nicht die erhofften Erfolgserlebnisse. Dann bricht Danny den Bann und gewinnt Silber. Im nächsten Finallauf der Männer wird Jan ebenfalls Zweiter. Zum Abschluss dieses Tages sind die Deutschen auch in der neuen gemischten Lifesaver-Staffel siegreich. Am folgenden Tag hat die Mannschaft einen Lauf – fünfmal Gold. Danny wird zum dritten Mal nach 2014 und 2016 Weltmeister über 50-Meter-Retten einer Puppe. Was für eine Leistung. Die Frauen sorgen in der Staffel viermal 25-Meter-Retten einer Puppe für die vielleicht größte Überraschung. David, der zuvor etwas vom Pech verfolgt war, zeigt nun, was er drauf hat, und gewinnt mit Bronze im Super Lifesaver eine Medaille im Einzel. Die anschließende Gurtretter-Staffel beenden er und seine Teamkameraden in neuer Weltbestzeit.

Unterstützung aus Deutschland
Auf Platz vier liegend wechseln die Deutschen in die Beach- und Ocean-Wettbewerbe. Italien ist in Reichweite, doch Frankreich folgt mit nur geringem Abstand. Am Strand von Glenelg qualifizieren sich die deutschen Athleten für viele Finals, sammeln wichtige Punkte für die Nationenwertung. Medaillen bleiben aber aus. Angefeuert wird die Nationalmannschaft von zahlreichen Sportlern aus der Heimat, die bereits für die in der folgenden Woche beginnende Vereins-Weltmeisterschaft angereist sind. Unter ihnen sind Rettungsschwimmer aus Harsewinkel, Anklam, Halle an der Saale und Luckenwalde.

Auch Katharina ist unter den Zuschauern. Die 24-Jährige aus Haltern am See ist mit einer Freundin, aber ohne Team angekommen. Ihre Reise hat sich die Krankenpflegerin über Crowdfunding, eine Art Gruppenfinanzierung, ermöglicht. Vor allem Familienmitglieder und Bekannte haben sie finanziell unterstützt. In Ihrer Ortsgruppe war Katharina stellvertretende Leiterin Ausbildung. Seit einiger Zeit ordnet sie jedoch neben der Arbeit dem Training alles unter. Mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft hat sie sich einen Traum erfüllt. Ihr Ziel, einen Platz im B-Kader zu bekommen, verfolgt sie mit viel Eifer.

Auch im Programm bei der Weltmeisterschaft: der Wettkampf der Surf Boats (Foto: Steph Dittschar)
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Überraschung gelungen: Jubel über Gold in der Frauen-Staffel (Foto: Steph Dittschar)
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Inzwischen ist die DLRG- Nationalmannschaft fast am Ziel. Die Verletzung von Daniel am letzten Wettkampftag hat den dritten Rang in der Gesamtwertung bereits zunichte gemacht. Frankreich ist nicht mehr einzuholen. Der beste Freigewässer-Sportler bei den Männern muss die Staffel vorzeitig beenden und kann auch in den beiden folgenden Finals nicht mehr antreten. Nun gilt es, Italien hinter sich zu lassen.

In der abschließenden Staffel ist der Europameister gerade an uns vorbeigezogen, rechnet Holger neben mir vor. Von der Absperrung aus treibt er seine Sportler an. Carla macht auf dem Rettungsski zwei Ränge gut, die Italienerin büßt Plätze ein. Es reicht – wie vor zwei Jahren in den Niederlanden – für Platz vier. Zum Schluss sind es drei Punkte Vorsprung vor den Südeuropäern. »Die Sportler haben heute noch einmal toll gekämpft und alles aus sich rausgeholt. Wir können zufrieden sein«, sagt Holger. Der angestrebte dritte Platz sei drin gewesen, es hätte aber alles passen müssen.

Alles gepasst hat es am Ende für den Gastgeber. Nach 2012, damals ebenfalls in Adelaide, setzen sich die Rettungsschwimmer von Surf Life Saving Australia erstmals wieder gegen den großen Kontrahenten aus Neuseeland durch. Auf der dritten Stufe des Podests stehen die Franzosen. Der ILS-Song »Stand Inside the Circle« wird angestimmt. Sie stehen zusammen, sie singen zusammen.

Am nächsten Morgen geht es für einige von uns direkt zum Flieger. Mit Ausnahme von Christian bleiben die Sportler, um für ihre Vereine weiter um Punkte und Medaillen zu kämpfen. Auch die Teams aus Wasserrettern mit den motorisierten Schlauchbooten – Inflatable Rescue Boats (IRB) – werden noch ihre Weltmeister ermitteln. Wenn alles vorbei ist, nutzen viele noch die Gelegenheit zu einem Urlaub in Down Under. Masters-Teilnehmerin Anke zum Beispiel. Auch Claudia und Michael gehen noch auf Tour. Thomas fliegt für eine vierwöchige Rundreise weiter nach Neuseeland. Katharina dagegen muss direkt nach ihrem Wettkampf wieder zurück. Die Arbeit ruft.

Überraschung gelungen: Jubel über Gold in der Frauen-Staffel (Foto: Steph Dittschar)
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